Totale Sonnenfinsternis 2006

Die Sonnen-Finsternis vom 29.3.2006

ist die einzige totale Sonnenfinsternis, deren Pfad in den Jahren 2006 und folgende für Pauschalurlauber gut erreichbar war. Die Finsterniszone lief über Zentralafrika nach Libyen, berührte am Mittelmeer die Grenze nach Ägypten, ging über den Badeort Antalya in der Türkei und bewegte sich weiter über Georgien nach Zentralasien. Antalya war preiswert zu erreichen, allerdings ist das Wetter dort im Frühjahr eher wechselhaft. Die Chance auf einen wolkenfreien Himmel liegt bestenfalls bei 30%. In Ägypten kann schon mit 70% gerechnet werden, während in der libyschen Wüste fast 90% erreicht werden.

29.3.2006 Sonnenfinsternis über dem östlichen Mittelmeer:

Sonnenfinsternis 2006 - Part 1

Nahe der Kleinstadt ´Al Saloum´ berührt der Finsternispfad Ägypten. Da Libyen eher ungastlicher ist und die Türkei schlechtere Wetterprognosen hat, trafen sich an dieser Stelle wohl die meisten Finsternisbeobachter.

Sonnenfinsternis 2006 - Part 2

Am 29.3.2006 war es endlich soweit.
Das langersehnte Ereignis sollte endlich stattfinden.
Für die totale Sonnenfinsternis 2006 hatten wir den langen Weg nach Ägypten auf uns genommen, wo das Wetter mit 70% Wahrscheinlichkeit gut sein sollte.

Sonnenfinsternis 2006 in Ägypten

Auf der Fahrt zum Camp überholten wir das Auto in dem unser Bettzeug transportiert wurde.

Schon 5 Tage zuvor hatten die Wettersimulationen für die nordafrikanische Küste beste Prognosen geliefert. Trotzdem wanderte in den Tagen zuvor der Blick oft sorgenvoll zum Himmel.

Sonnenfinsternis 2006 - Part 3

Das Wetter zur Finsternis. Über der Wüste war alles wolkenfrei. Über der Arabischen Halbinsel sind noch die Reste der Wolken zu sehen, die uns 2 Tage zuvor Sorgen bereitet hatten.

Nur 48 Stunden zuvor war der Himmel in Alexandria noch komplett bedeckt und es hatte geregnet. Auch noch auf der Fahrt nach El Sallum waren größere Wolkenfelder zu sehen, die sich erst in der Nacht auflösten und durch einen dichten Nebel ersetzt wurden. Der Nebel lichtete sich erst spät am Finsternismorgen, so dass zunächst noch eine Flucht in das Hinterland erwogen wurde. Doch eine Stunde vor Beginn waren die letzten Fetzen verschwunden und nur noch ein strahlend blauer Himmel zu sehen.

Sonnenfinsternis 2006 - Part 4
Am Morgen der Finsternis ein Schock. Nebel behinderte die Sicht.

Sonnenfinsternis 2006 - 2 Stunden vor Totalität
Zwei Stunden vor der Finsternis war der Nebel fast vollständig verschwunden.
Auch die gelben Fahnen der am weitesten entfernten Toilettencontainer waren wieder einwandfrei zu sehen.

Die Transparenz war extrem gut. Neben der abgedeckten Sonne begann direkt der blaue Himmelshintergrund. Rundherum war nicht das kleinste Wölkchen zu entdecken. Es wehte nur ein leichter Wind, der im Laufe der Finsternis weiter abnahm und am Ende fast ganz verschwunden war. Das Seeing war exzellent. Die zentrale Sonnenscheibe war zwar fleckenlos, doch am Rande gab es eine mittelgroße Gruppe, die schöne Strukturen zeigte. Der erste Kontakt erfolgte an der fleckenlosen Seite, so dass die Gruppe bis kurz vor der Totalität beobachtet werden konnte. Etwa 20 min vor dem zweiten Kontakt wurde das Licht deutlich fahler. Der Himmel wurde dunkelblau, der gelbe Wüstensand bekam einen Ockerfarbton und die Schatten wurden deutlich schärfer. Etwa 40 Grad westlich der Sonne wurde die Venus sichtbar.

Sonnenfinsternis 2006 - Venus am Himmel
Wenige Minuten vor der Totalität wurde die Venus sichtbar. Sie ist oben links markiert.

Die randnahe Fleckengruppe schien die Entstehung von Protuberanzen zu begünstigen. Die größten Exemplare waren kurz nach dem zweiten Kontakt zu sehen. Die Korona selbst erschien deutlich kleiner als 1999. Mit der Fingerprobe wurde sie auf etwa 2/3 Sonnendurchmesser geschätzt.
Sonnenfinsternis 2006 - Die Totalität beginnt
Zweiter Kontakt, die Totalität beginnt.
Sonnenfinsternis 2006 - Die Totalität endet 
Dritter Kontakt, die Totalität endet.

Sonnenfinsternis 2006 - Part 6
Zweiter und Dritter Kontakt im 80er ED-Refraktor.

Sonnenfinsternis 2006 - Part 7
Durch ein maßstabsgerechtes Einkopieren der Sonnenscheibe wird der Unterschied im Durchmesser deutlich.

 

Die Korona hatte einen sehr hellen inneren Rand. In den Außenbereichen waren etwa ein halbes Dutzend schwacher Streamer zu erkennen. Wirklich umwerfend war der Blick durch das Teleskop. Im 60mm Refraktor waren bei 25-facher Vergrößerung im Norden und Süden büschelweise Polstrahlen zu sehen. Die Protuberanzen erschienen als blendend helle, rosa Funken. Ein rascher Wechsel zum 10 Zoll Teleskop zeigte bei höherer Vergrößerung weitere Details. In den Protuberanzen waren sehr feine Strukturen zu erkennen. Die Perlschnur war auf beiden Mondseiten wenig ausgeprägt. Dies lag wohl an der relativ großen Mondscheibe, die diesmal 4 min Finsternis ermöglichte. Vor und nach der Finsternis waren für einige Sekunden auch fliegende Schatten zu sehen. Die Intensität der fliegenden Schatten ist regional unterschiedlich. In Ägypten schienen sie wegen der sehr ruhigen Luft und der leichten laminaren Strömung vom nahen Mittelmeer weniger ausgeprägt zu sein als in Ungarn 1999.

Sonnenfinsternis 2006 - Part 7
Fliegende Schatten waren zwar sichtbar, doch der Versuch sie zu fotografieren, ist gescheitert.

Sonnenfinsternis 2006 - Kompositaufnahme
Komposit der Finsternisaufnahmen. Bearbeitet mit dem Larson-Sekania-Filter in der Software FITswork.

Vergleich Sofi 06 und Sofi 99
Strukturvergleich zwischen der Maximumskorona von 1999 und der Minimumskorona von 2006. Die Korona von 2006 ist wesentlich schwächer, regelmäßiger und kleiner. Auffällig sind die Polstrahlen, die 1999 gefehlt haben.

Die höheren Temperaturen in Zentral-Libyen führten wohl zu einer stärkeren vertikalen Konvektion, so das Freunde dort von wesentlich deutlicheren Schatten berichteten. Allerdings soll dort die Versorgung katastrophal gewesen sein. In Ägypten gab es an der Unterbringung trotz 20000 Beobachter nichts auszusetzen. Für einige Spätankömmlinge sollen zwar Matratzen und Schlafsäcke knapp geworden sein, doch wir hatten keine Probleme. Die riesigen Zelte waren weiträumig mit Teppichen ausgelegt. Das Essen war sehr ordentlich und auch die sanitären Anlagen waren ausreichend. Die Ägypter hatten jedoch den Wasserbedarf der oft durchfallkranken Europäer unterschätzt, so dass schon nach wenigen Stunden die Spülung nicht mehr funktionierte.

Sonnenfinsternis 2006 - das Camp
Das Camp lag auf einer Hochebene über der Stadt El-Sallum

Sonnenfinsternis 2006 - Campimpressionen
Im Camp sollen etwa 20000 Menschen gewesen sein

Sonnenfinsternis 2006 - Großzelte
Die Unterbringung war gut. Die riesigen Zelte waren mit Teppichen ausgelegt und abends gab es ein warmes Buffet.

Sicherheitsmann im Sofi-Camp
Alle 20 Meter blickte ein Sicherheitsmann in das Camp.

Sonnenfinsternis 2006 - Impressionen
Vor der Finsternis hatte das Sicherheitspersonal noch Gelegenheit zu einer Zigarettenpause.

Sonnenfinsternis 2006 - Sicherheitsmaßnahmen
Neben dem Militär war auch die Geheimpolizei anwesend. Sie trug dunkle Anzüge.

Etwa eine Stunde nach der Finsternis flog der Staatschef wieder davon und es war nicht nur bei den Astronomen sondern auch beim Sicherheitspersonal eine zunehmende Entspannung zu verspüren. Die Supersofi 2006 hatten alle glücklich überstanden und so gab es allerorten strahlende Gesichter.

Sonnenfinsternis mit der Lochkamera

Die letzten Finsternisse haben bewiesen, dass sich fotografische Spitzenergebnisse mittlerweile nur noch mit digitaler Technik erzielen lassen. Die Canon DSLRs sind dabei kaum zu schlagen, wie das folgende Bild von Peter Aniol und Miroslav Druckmüller beweist.

Sonnenfinsternis 2006 - Komposit von 51 Bildern
Komposit von 51 Bildern mit 400 mm f/9 Teleobjektiv und Canon EOS 5D.

Von dem Stress befreit, die optimale Aufnahme machen zu müssen, gab es Raum für Experimente. Wie schon bei der ringförmigen Sonnenfinsterns im Oktober 2005 kam wieder eine Lochkamera zum Einsatz. Verwendet wurde dazu ein Staubsaugerrohr. Tatsächlich gelang es trotz des winzigen Lochs von 1mm und eines Projektionsabstandes von 1m bei einem Öffnungsverhältnis von 1:1000 in weniger als 10 sek die Korona erfolgreich abzulichten. Der Vergleich mit einer zeitgleich am Teleskop gewonnen Aufnahme zeigt, dass sich mit dem Photonenstaubsauger sogar lokale Helligkeitsunterschiede nachweisen lassen. Eine weitere 2 min lang belichtete Aufnahme hat leider einen deutlichen Nachführfehler. Dennoch lassen sich auf der unverschmierten Seite weit auslaufende Koronastrukturen erahnen, die anhand der Teleskopfotos verifiziert werden konnten.

Sonnenfinternis 2006 - eingesetztes Equipment
Das obige Foto zeigt das eingesetzte Equipment. Einen 80er ED-Refraktor und ein Staubsaugerrohr als Lochkamera.

Sonnenfinsternis 2006 - mit Lochkamera

Sofi 2006 Animation
Aus den Lochkamera-Bildern oben konnte die untere Animation erstellt werden.

Sonnenfinsternis 2006 - Lochkamera 2
Wenn man das unverfinsterte Sonnenbild auf die verfinsterte Sonnenscheibe projiziert, kann man am schwarzen Rand tatsächlich erkennen, dass die Mondscheibe etwas größer ist als das Sonne.

Koronastrukturen
Das die mit der Lochkamera fotografierten Koronastrukturen echt sind, zeigt der Vergleich mit einer Aufnahme durch das Teleskop.

Sonnenfinsternis 2006 - Nachführfehler

Sofi 2006 - Nachführfehler Animation

Sofi 2006 - natürliche Lochkamera
Im Zelt gab es eine natürliche Lochkamera. Durch Befestigungslöcher in der Zeltplane wurden Sonnentaler auf die Teppiche projiziert. Links der Anblick vor und rechts der Anblick nach der Finsternis.

Sonnenfinsternis 2006 - Event-Impressionen
Nach dem Event: Glückliche Finsternisbeobachter beim Interview.

 

 


 

 

!! EINE WICHTIGE WARNUNG !!

Blicken Sie niemals durch ein Teleskop, ein Fernglas oder ähnliches direkt auf die Sonne. Dies kann zu dauerhaften Augenschäden bis hin zur Erblindung führen! Ein geeigneter Sonnenfilter ist unerläßlich! Decken sie stets auch das Sucherfernrohr ab, um Schäden zu vermeiden! Auch bei der Beobachtung der Sonne mit bloßem Auge sind stets geeignete Schutzbrillen zu tragen, wie sie zum Beispiel hier erhältlich sind!